Hitzewelle: gut oder schlecht für den Wein?
In Südfrankreich brannten Weinberge
Beginnen wir mit den schlechten Nachrichten. Im Juni dieses Jahres erlebten einige Winzer im Hérault und Gard eine böse Überraschung. Sonne und Hitze hatten die Reben schlichtweg verbrannt. Es war fast so, als hätte jemand Blätter und Trauben mit einem Schweißbrenner verbrannt. Dies ist zwar eher selten, da Weinreben von Natur aus hitzebeständige Pflanzen sind, kommt aber durchaus vor, insbesondere wenn die Weinblätter weniger hart (und damit weniger widerstandsfähig) sind, wie etwa zu Beginn des Sommers.
Die Bordeaux-Gleichung
Doch obwohl steigende Temperaturen eine sehr schlechte Sache für den Planeten und unsere Zukunft sind, ist noch nicht alles verloren! Letzte Woche wurde in mehreren Artikeln erklärt, dass höhere Temperaturen für den Wein von Vorteil sein könnten. „ Eine kurze Hitzewelle zu dieser Jahreszeit ist im wahrsten Sinne des Wortes magisch“, sagte Philippe Bardet, Winzer aus Saint-Émilion und Vorsitzender des technischen Ausschusses des Interprofessionellen Weinausschusses von Bordeaux, sogar im Radio.
Amerikanische Forscher untersuchten diese Frage, indem sie die Verkaufspreise von Bordeaux-Weinen zwischen 1952 und 1980 sowie das Wetter in diesen Jahren analysierten. Diese sogenannte „ Bordeaux-Gleichung “ zeigt, dass heißes und trockenes Wetter während der Wachstumsperiode (April bis September) dem Wein gut tut. Das führt dazu, dass die Flaschen zu höheren Preisen verkauft werden! Schon ein kleines zusätzliches Grad während der Wachstumsperiode und der Flaschenpreis steigt um mehr als 50 %!
Unsere Hitzewelle, die jeden Sommer wiederkehrt, kann daher eine gute Anregung sein, insbesondere in Regionen, in denen die Temperaturen normalerweise milder sind, wie etwa im Elsass oder in der Champagne.
Anderer Geschmack und Krankheitsrisiken
Kleines Problem: Je heißer es ist, desto höher ist der Zucker- (und damit Alkohol-)Gehalt der Trauben... was für zuckerreiche Weine wie Muskat oder Sauternes interessant sein kann, aber für kräftigere Weine, deren Alkoholgehalt ohnehin schon nahe der zulässigen Grenze liegt, eher ärgerlich ist...
Und wie sieht es mit dem Geschmack aus? Hitze kann Aromen und Farbe verändern. Manche Weine verlieren an Intensität, verlieren an Säure usw.
Ein weiterer schwarzer Fleck am Horizont ist die pralle Sonne, die ein höheres Risiko für die Entwicklung von Rebkrankheiten bedeutet. Einige Krankheiten könnten daher auftreten oder sich verschlimmern.
Winzer suchen daher nach Lösungen, um ihre Produktion an die immer häufiger auftretenden Hitzewellen anzupassen. Zu den erwogenen Lösungen gehören die Verschiebung der Ernte, der Schutz der Rebstöcke oder sogar die Umsiedlung bestimmter Rebstöcke.