Blog Tipps und Tricks Rotwein im Sommer: Wie kann man ihn auch bei großer Hitze genießen?
Vin rouge en été : comment le déguster même quand il fait très chaud ?

Rotwein im Sommer: Wie kann man ihn auch bei großer Hitze genießen?

Wenn das Thermometer steigt, ist der Reflex fast automatisch: Die Rotweinflaschen beiseitestellen und Weißwein und Rosé aus dem Kühlschrank holen. Dabei ist es keineswegs eine schlechte Idee, im Sommer Rotwein zu trinken. Vorausgesetzt, man wählt den richtigen Weinstil … und serviert ihn vor allem nicht bei 25 °C.

 

Denn entgegen einer hartnäckigen landläufigen Meinung sind Rotweine nicht dazu bestimmt, bei der Temperatur einer Terrasse mitten im August verkostet zu werden. Manche Flaschen mögen es sogar ausgesprochen kühl. Knackiger Gamay, delikater Pinot Noir, fruchtiger Cabernet Franc: So können Sie auch im Sommer weiterhin Rot sehen.


Kann man im Sommer Rotwein trinken?

 

Natürlich. Die Jahreszeit bestimmt nicht allein, welche Weinfarbe auf den Tisch kommt.

 

Was sich im Sommer eher verändert, sind unsere Vorlieben. Wenn es warm ist, werden die Gerichte oft leichter, die Mahlzeiten finden draußen statt und der Gaumen sucht stärker nach Frische. Kräftige, konzentrierte und stark tanninhaltige Rotweine können dann weniger naheliegend wirken als weiche, fruchtige Weine.

 

Die richtige Strategie? Die Flasche eher nach ihrem Stil als nach ihrer Farbe auswählen.

 

Die leichten Rotweine passen besonders gut zu diesem Wunsch: eher helle Farbe, wenige Tannine, viel frische Frucht und eine Säure, die für Lebendigkeit sorgt. Zu dieser Kategorie gehören insbesondere Weine aus Gamay oder Pinot Noir, aber auch Appellationen wie Fleurie, Chiroubles, Brouilly, Touraine sowie bestimmte Rotweine aus dem Elsass und aus Burgund.

 

Also genau die richtigen Flaschen für die schönen Tage.


Welche Rotweine sollte man bei Hitze wählen?

 

Man muss weder nach ungewöhnlichen Weinen suchen noch eine Liste von Appellationen lernen, die länger ist als ein Tag ohne Rosé. Einige Hinweise helfen dabei, die für den Sommer geeigneten Rotweine leicht zu erkennen.

 

Achten Sie zunächst auf Frucht und Frische. Kirsche, Erdbeere, Johannisbeere, Himbeere, kleine rote Früchte: Dieses Aromenspektrum wirkt im Sommer meist angenehmer als das sehr reifer oder konzentrierter Weine. Bei der Textur sollten Sie eher fließende Weine mit dezenten Tanninen und einer gewissen Lebendigkeit bevorzugen.

 

Gamay ist natürlich ein naheliegender Kandidat. Die Weine aus dem Beaujolais, insbesondere die jungen und fruchtigen Cuvées, gehören zu den Flaschen, die leicht gekühlt serviert werden können.

 

Auch Pinot Noir bietet zahlreiche Möglichkeiten, insbesondere in seinen delikatesten Ausprägungen. Dasselbe gilt für bestimmte Cabernet Franc von der Loire, Rotweine aus Savoyen oder der Auvergne sowie einige mediterrane Cuvées, bei denen die Frucht und nicht die Kraft im Vordergrund steht.

 

Umgekehrt werden ein sehr konzentrierter Syrah, ein kräftiger Madiran oder stark tanninhaltige lagerfähige Rotweine nicht ab dem 21. Juni verboten. Diese Flaschen benötigen lediglich eine etwas höhere Temperatur und ein Gericht, das ihnen gewachsen ist.


Bei welcher Temperatur sollte man Rotwein im Sommer servieren?

 

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Regel, um Rotwein bei warmem Wetter zu genießen.

 

Vergessen Sie die berühmte Empfehlung, Rotwein bei „Zimmertemperatur“ zu servieren. Sie stammt aus einer Zeit, in der die Raumtemperatur eher bei 16 oder 18 °C lag. Ganz sicher nicht bei 25 °C in einer Wohnung an einem Sommerabend – und bei einer Hitzewelle sogar bei 30 °C!


Hier ein paar Richtwerte:

  • Leichter Rotwein: 12 bis 14 °C;
  • Kräftiger Rotwein: 15 bis 16 °C;
  • Wuchtiger Rotwein: 17 bis 18 °C.

 

Warum ist die Temperatur so wichtig? Weil sie unsere Wahrnehmung der Weine verändert. Ist ein Rotwein zu warm, kann er schwerer wirken und der Alkohol tritt stärker hervor. Ist er zu kalt, werden die Aromen zurückhaltend, während die Tannine strenger erscheinen.

 

Das Ziel ist also nicht, die Rotweinflaschen eiskalt zu servieren, sondern ihnen lediglich den nötigen kleinen Frischekick zu geben.


Sollte man Rotwein in den Kühlschrank stellen?

 

Ja! Ihre Flasche wird es Ihnen nicht übelnehmen.

 

Im Sommer ist ein kurzer Aufenthalt im Kühlschrank vor dem Essen oft sogar die einfachste Möglichkeit, einen Rotwein auf seine ideale Temperatur zu bringen.

 

Eine weitere Möglichkeit bei einer Mahlzeit im Freien: Verwenden Sie einen Eimer mit kühlem Wasser und einigen Eiswürfeln. Das Wasser ist wichtig, weil es die gesamte Oberfläche der Flasche wirksam kühlt.

 

Und sobald der Wein eingeschenkt ist? Besser wenig, dafür häufiger einschenken. Ein Glasboden mit 13 °C erwärmt sich auf einer Terrasse bei 30 °C sehr schnell. Bewahren Sie die Flasche während des Essens außerdem im Schatten oder in einem Weinkühler auf.

 

Vermeiden Sie dagegen Eiswürfel direkt im Glas, wenn Sie das Gleichgewicht des Weins bewahren möchten: Beim Schmelzen verdünnen sie ihn. Wenn Sie unbedingt darauf bestehen, nehmen Sie lieber einen großen Eiswürfel. Er schmilzt langsamer!


Wozu trinkt man im Sommer Rotwein?

 

Die gute Nachricht: Leichte Rotweine lieben die Sommerküche.

 

Als Aperitif begleiten ihre Frucht und ihre dezenten Tannine problemlos feine Wurstwaren. Zum Essen können Sie sie zu gegrilltem Geflügel, Thunfisch oder kurz angebratenem Lachs sowie zu einer Gemüsequiche probieren.

 

Zu einer üppigeren Küche – Ratatouille, gegrilltem Fleisch, geröstetem Gemüse – kann ein kräftiger Rotwein die Rolle übernehmen. Runder und umhüllender als ein leichter Rotwein, aber weniger wuchtig als ein kräftiger Rotwein, bleibt er geschmeidig genug, um auch im Sommer angenehm zu sein.

 

Kurz gesagt: Sommerküche und Rotwein passen immer gut zusammen. Man muss den Weinstil lediglich an das Gericht anpassen.


Und bei einer Hitzewelle?

 

Hier muss man zwischen einem warmen Sommerabend und einer echten Hitzewelle unterscheiden.

 

Bei großer Hitze darf Wein niemals als erfrischendes oder hydratisierendes Getränk betrachtet werden. Die gesundheitlichen Empfehlungen sind eindeutig: Bei einer Hitzewelle sollte man regelmäßig Wasser trinken und alkoholische Getränke meiden, da Alkohol unter anderem die Dehydrierung fördert und die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigt, mit der Hitze umzugehen.

 

Ein leicht gekühltes Glas Rotwein bleibt daher ein Genuss zum Essen und kein Mittel, um den Durst zu löschen. Wenn die Hitze extrem wird, steht Wasser unangefochten an erster Stelle.


Was ist Sommerrotwein letztendlich?

 

Nicht unbedingt eine bestimmte Rebsorte und schon gar nicht eine einzige Appellation. Sommerrotwein ist vor allem ein Stil: Frucht, Frische, maßvolle Tannine und eine passende Serviertemperatur.

 

Also ja: Stellen Sie Ihren Gamay oder Pinot Noir kühl. Servieren Sie ihn bei 12 oder 14 °C, lassen Sie ihn im Glas ganz in Ruhe ein paar Grad wärmer werden und beobachten Sie seine Entwicklung.

 

Der Rosé muss sich warm anziehen.

Camille Bernard, auf Wein spezialisierte Journalistin

Über die Autorin

Camille Bernard ist seit mehr als 13 Jahren als Journalistin und Redakteurin auf das Thema Wein spezialisiert. Ihr beruflicher Weg führte sie von den Weinbergen über die Sommellerie bis zur Weinberatung. Als freie Journalistin schreibt sie für La Dépêche du Midi und Gilbert & Gaillard und ist außerdem Autorin zweier Weinbücher.

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